Heute haben wir einen ganz besonderen Artikel. Und zwar hatte unsere Schülerin Monika aus unserem Akkordeon- Kurs mit ihrem Akkordeon ein Problem. Sie hatte ein Loch im Balg, so die Vermutung.

Zur Reparatur des Akkordeon ist sie in die Wiege des Akkordeon gefahren, und zwar nach Castelfidardo (Italien). Und wenn jemand eine Reise macht, dann kann er was erzählen. Und das natürlich erst recht, wenn man in so ein bekanntes „Akkordeon- Dorf“ fährt, wie Castelfidardo. Doch lest selbst ;-)

La Fisarmonica nella Regione Marche, Italia

“Ein Loch im Balg…. ??

… also auf zum laboratorio riparazione fisarmonica von Signor Alessandrini in Castelfidardo!”

Akkordeongemeinde durch und durch – Museum und Wettbewerb

Castelfidardo, ein Dorf mit etwa 18.000 Einwohnern, gelegen in der italienischen Region Marken, nicht weit von den herrlichen Stränden des Monte Conero (Ancona), und mit Sicht auf die beeindruckenden Berge des Gran Sasso, ist die Wiege der Ziehharmonika. Dort begann der Ingenieur Paolo Soprani im Jahre 1863 die erste industrielle Herstellung des Akkordeons, das von da seinen Siegeszug um die Welt antrat. Damals wie heute ist Castelfidardo reich an Musikern, Künstlern, Handwerkern, die eng verbunden sind mit ‘ihrer’ fisarmonica, und in Folge sind dort auch bedeutende Unternehmen im Bereich der Feinmechanik entstanden.

Ein wunderschönes Museum (Akkordeon- Museum in Castelfidardo), im Jahre 1981 von der Gemeinde gestaltet, beheimatet hunderte von besonderen und wertvollen Examplaren und bietet für die Kenner und Liebhaber des Instruments einen genußreichen Besuch. Als Highlight schreibt die Gemeinde jedes Jahr den Wettbewerb ‘Premio Internazionale della Fisarmonica PIF’ aus, der insbesondere junge Leute anspricht (Akkordeonwettbewerb).

Landleben mit Ziehharmonika

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs des Rapport’s zwischen ‘Marchigiani’ und ‘fisarmonica’: bei jeder Gelegenheit zeigt es sich, dass alt und jung mit Passion und Geschick auf dem Akkordeon spielen.

Das reicht von dem bedeutenden Fisorchestra Marchigiana, beheimatet in Castelfidardo und besetzt mit Studenten aus den besten italienischen Konservatorien, bis zu kleinen Dorfgruppen: ein Picknick im Grünen am 1. Mai ist ohne Ziehharmonikagruppe gar nicht denkbar!

Und dann die Dorffeste vielfältigster Art, z.B. das Fest der Kichererbse in Serra de’ Conti (Dorffest der Kichererbse in Serra de’Conti): Die Ziehharmonikatruppe zieht durchs Dorf während alle die traditionellen Gerichte mit Kichererbsen geniessen (Musik, gutes Essen und ein Gläschen verdicchio, gibts noch was besseres??) Oder hl. Dreikönig (Epifania) in Montecarotto, die ‘Pasquella’, an dem Musikgruppen aus der ganzen Gegend wetteifern mit vielen spontanen Liedtexten, die das ländliche Leben besingen, und, heute würde man sagen, als dörfliche ‘social media’ Neuigkeiten verkünden, (…und auch boshaft die Dorfpersönlichkeiten bewitzeln….).

Diese Tradition entstand noch in der Zeit der Leibeigenschaft, als die Musik sowohl zum Geld sammeln (die meisten Bauernn waren arm!) als auch zur Meinungsverbreitung diente.

Dorffest “Pasquella’ in Montecarotto:

Barmusik – Cappuccino & Akkordeon

Und selbst meine kleine Dorfbar stellt Ziehharmonikas aus, nur so, mal nebenbei, und Stefano, der barrista, spielt mal zum cappuccino, wenn er in Laune ist (und organisiert jedes Jahr ein Ziehharmonikafestival auf der piazza vor der Bar, herrliche Musik in einer lauen Sommernacht….).

Tja, also wenn man in den Marken lebt kommt man an der Ziehharmonika nicht vorbei. Das Schicksal hat einen langen Atem… meine Kinder-Ziehharmonika hat mit mir eine Heimat in den Marken gefunden.

Stefano in der Bar

Stefano in der Bar

Reparaturen – Handwerk und Leidenschaft

Ja, aber jetzt wollen alle wissen – hat nun Signor Alessandrini das Loch im Balg meiner alten Hohner repariert? Das Loch, dass ich dafür verantwortlich machte, dass meine Bässe so laut sind und die Melodie so leise? Er, Akkordeonliebhaber in einer Generationenfolge, schweigsam, konzentriert, spielte flinkstens rauf und runter (Training zum Warmlaufen vor einer Aufführung würde Janina Rüger sagen….), zerlegte sie liebevoll mit kleinsten Schraubenziehern und ähnlichem in ihre Einzelteile, inmitten seines laboratorio in dem die Zeit stehen geblieben schien, und kam zu dem Urteil: ….kein Loch! Ok, also es liegt an mir …aber bin ja auch erst in Woche 18 meines Kurses in der Musikschule…. also Geduld…. Janina wird’s schon richten J

Auf jeden Fall war es eine Ehre und ein Vergnügen, einem dermassen passionierten und geschickten artigiano wie Signor Alessandrini bei seiner täglichen Arbeit zuschauen zu dürfen! Und so gerne hätte ich einen von den zwei antiken Hockern mitgenommen, ganz klar ideal als Ziehharmonikastuhl…. aber…. seit Generationen im Familienbesitz eben…. fine!

Historischer Hocher vom Akkordeon- Bauer

Nun, meine Akkordeons wollte ich euch natürlich nicht vorenthalten, daher noch ein Bild von meinen Instrumenten :-)

Monikas Akkordeon's

Ich hoffe, dass euch mein Bericht gefallen hat.

Beste Grüße

Monika

Monika mit ihrem Akkordeon

PS:

Zum Schluss noch was Persönliches: Auf Montag bin ich immer ganz gespannt, da wird nämlich meine nächste Lektion frei geschaltet! Es macht mir viel Freude, Woche für Woche mit Janina zu lernen – ich merke wie pädagogisch professionell die Lernziele aufgearbeitet sind, mit jedem neuen Video gehe ich einen Schritt voran. Die Lektionen sind zugleich machbar, und interessant – Janina führt den Stoff klar und geduldig vor, frau hat Vertrauen es zu schaffen. Es ist sehr angenehm, dank der benutzerfreundlichen Web-Struktur von meineMusikschule.net, jederzeit nach Lust und Laune zu bestimmten Melodien oder Übungen zurückkehren zu können. Also Complimenti Janina, grazie Musikschule!

Hier kannst auch Du Akkordeon spielen lernen ;-)