Akkordeon lernen – den Traum vom Spielen in die Tat umsetzen

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt um mit dem Akkordeon lernen zu beginnen? Du fragst dich das gemeinsam mit zahlreichen anderen Erwachsenen, die ihren persönlichen Start oder Neustart schon jahrelang vor sich herschieben. Alleine die Tatsache, dass es dich auf diese Seite verschlagen hat ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass JETZT ein guter Zeitpunkt ist um den ersten Schritt zu tun. In den folgenden Abschnitten teile ich mit dir was mir und anderen geholfen hat und einige Funfacts sind auch dabei.

Akkordeon lernen

Akkordeon lernen – eine Vielzahl an Instrumenten

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Talent oder Übung – ist natürliche Begabung eine Voraussetzung zum Akkordeon lernen?

NEIN, Talent ist nützlich, es erleichtert den Einstieg – keine Frage. Aber Talent ist keine Voraussetzung zum Akkordeon lernen. Eine gewagte These, ich weiß, aber begründet.

Wer kennt ihn nicht, den Schüler, der alles aus dem Unterricht förmlich aufsaugt, vermeintlich nie zuhause lernt oder übt und trotzdem immer Bestnoten abstaubt. Der Typ, der fast alles kann und weiß und – so sieht es jedenfalls aus – nichts dafür tun muss. Mich hat es oft genug genervt, wenn ich für das gleiche Ergebnis stundenlang lernen und üben musste. Aber oftmals war das Ergebnis das gleiche und die Mühe hatte sich gelohnt. Und mein Erfolgserlebnis war dann um so schöner.

Das Beruhigende daran, es gibt in jeder Disziplin einen Punkt, an welchem es ohne reichlich Üben und ordentlich Schweiß nicht mehr weiter geht, auch nicht für die Begabtesten unter uns. So ist das auch beim Akkordeon. Studien zufolge scheitern an diesem Punkt häufiger sehr talentierte Menschen, da ihnen die ersten Erfolge scheinbar mühelos zugeflogen sind und das „Üben“ für sie plötzlich anstrengendes Neuland ist. Hier kann der bisher fleißig Übende seinen langen Atem unter Beweis stellen.

Für eine große Karriere am Akkordeon ist Talent natürlich wichtig, keine Frage. Für die wenigsten unter uns ist das aber das erklärte Ziel. Wir wollen Musik machen und das wenn möglich mit anderen und für andere. Und das kann jeder von uns schaffen, mit Üben und der richtigen Portion Spielfreude!

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Lehrer, Online-Kurs oder autodidaktisches Lernen – der richtige Weg, Akkordeon zu lernen

Um dem Thema auf den Grund zu gehen, hinterfragen wir die unterschiedlichen Wege des Lernens.

Akkordeon lernen mit Lehrer

Empfinde ich es als Druck oder als Antrieb, jede Woche in den Unterricht einer Musikschule oder eines Privatlehrers zu gehen. Das ist wohl die entscheidende Frage über das Empfinden dieser Lernform. Motiviert dich der wöchentliche Gang zum Unterricht oder versetzt er dich in Stress. Oft gibt Kindern die Regelmäßigkeit einen wichtigen Halt, weshalb diese Lernform insbesondere hier ihre Anwendung findet. Erwachsene hingegen haben den Terminkalender voll, da kann ein zusätzlicher Unterrichtstermin auch schon mal Stress erzeugen.

Neben diesem gewichtigen Argument gibt es weitere. Die Preise an Musikschulen bzw. für den Privatunterricht liegen im Vergleich höher, an Musikschule meist noch etwas mehr als im Privatunterricht. Zusatzangebote wie Spielgruppen sind dafür u.a. ein zusätzlicher Benefit. Diese können genutzt werden, werden es aber häufig nicht. Die Qualität des Unterrichts hängt dabei ganz entscheidend von deinem Lehrer ab.

Die Vorteile des Einzelunterrichts

Eine direkte Rückmeldung des Lehrers, der genau auf deine individuelle Situation eingehen kann und außerdem Tipps für das weitere Üben parat hat.

Die Nachteile des Einzelunterrichts

Es sind die höheren Kosten u.a. auch durch zusätzlich benötigtes Unterichtsmaterial wie z.B. Noten, Playalongs etc.. Außerdem Zeit und Kosten für die Anfahrt sowie die Bindung an einen fixen Termin. Bin ich krank, fällt die bezahlte Unterrichtsstunde aus.

Akkordeon lernen im Online-Kurs

Mein Instrument zu spielen, wann und wo immer mich die Muse küsst, empfinde ich als absolute Bereicherung. Oder kann dich die Muse küssen wie sie will, deinen Schweinehund bekommt niemand aus dem Körbchen? Das ist die Abwägung beim Online-Kurs. Ist die Lust am Instrument so groß, dass ich mich selbst immer wieder auf den Allerwertesten setze. Dann kann der Online-Kurs eine gute Alternative zum Einzelunterricht sein. Oft bieten Online-Kurse ein sehr strukturiertes und bewährtes Lernprogramm, das dem Schüler alle Fertigkeiten Zug um Zug vermittelt. Alle Übungen sind in ihrer Schwierigkeit aufeinander abgestimmt und bauen aufeinander auf. Notenmaterial und Playalongs werden im Online-Kurs meist schon mitgeliefert.

Die Vorteile des Online-Kurses

Ich bin zeitlich flexibel, ich kann in meinem ganz persönlichen Lerntempo vorangehen, ich lerne, wenn ich Lust dazu habe und genieße eine hohe Kursqualität.

Die Nachteile des Online-Kurses

Meinen inneren Schweinehund muss ich selbst besiegen und es fehlt die direkte Rückmeldung vom Lehrer. Rückmeldung ist wichtig und ich muss mir diese selbst organisieren, z.B. über ein Forum, welches oftmals Teil des Online-Kursangebotes ist.

Akkordeon lernen über YouTube

Ist YouTube eine kostenfreie Alternative zu Online-Kursen? Auf den ersten Blick scheint es so. Jedoch können YouTube Videos nur einzelne Lektionen liefern, die ich mir selbst zusammensuchen muss. Ein fundierter Lehrplan, der mir ein gutes Fundament für mein Spielen finde ich hier nicht. Für ein einzelnes Stück kann das funktionieren, für eine solide Grundlage eher nicht.

Autodidaktische Lernen des Akkordeons

Sich dass Spielen selbst beizubringen und damit Erfolg zu haben, das haben einige heute populäre Musiker bereits bewiesen, z.B. Bob Dylan oder Lenny Kravitz. Doch dazu gehört ein hohes Maß ein Selbstdisziplin und letztlich ein geschicktes Händchen in der Auswahl des Lernstoffs. Allerdings ist die weitaus größere Zahl der Autodidakten, die damit keinen Erfolg hatten, heute nicht bekannt.

Letztlich liegt es an dir, zu welcher Lernmethode du dich hingezogen fühlst. Das wichtigstes ist aber …machen! Wenn dich ein Online-Kurs eine Zeit für die Grundlagen begleitet, kannst du dich immer noch für einen Lehrer entscheiden (und umgekehrt).

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Akkordeon lernen nach Noten – oder lieber ohne?

Muss ich Noten lesen können, um Akkordeon spielen zu lernen? Häufig wird diese Frage mit einem kleinen Hauch Ängstlichkeit in den Augen gestellt. Denn hängt hiervon nicht essentiell ab, ob es weiter geht mit dem Traum vom Spielen? Die ersten Schritte funktionieren ohne Zweifel mit oder ohne Noten, aber danach wird es ohne Noten schwieriger. Kannst du gut eine Melodie aus dem Radio zu einem späteren Zeitpunkt nachspielen oder singen. Wenn dein Gehör hier bereits gut geschult ist, hilft das sehr. Aber sich neue Stücke zu erschließen ohne Noten ist langsam und furchtbar anstrengend.

Aber die Frage ist falsch gestellt: Muss ich Noten lernen um Spielen zu können? Die richtige Frage dagegen lautet: Lerne ich die Noten gleich beim Spielen mit? Und das trifft es auf den Punkt, denn mit jedem neuen Ton auf dem Instrument lernst du in einem guten Kurs auch die zugehörigen Noten gleich mit, so geht das ganz spielerisch nebenher. Und immer wieder tut ein kleines, verträgliches Päckchen an Theorie auch keinen Abbruch an Spielfreude.

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Standardbass, Melodiebass, Knopfakkordeon, steirische Harmonika – das richtige Instrument

Wir können hier nur einige, populäre Arten des Akkordeons besprechen. Es gibt einfach zu viele.

Pianoakkordeon mit Standardbass

Das hat auf der rechten Seite Tasten wie das Klavier und links das Standardbassmanual. Im Bassteil sind die Akkorde bereits zusammengesetzt, so dass man für einen Akkord nur einen Knopf drücken muss.

Pianoakkordeon mit Melodiebass

Auf der rechten Seite (Diskantseite) ist alles gleich wie beim Standardbass Akkordeon. Auf der linken Seite (Bassseite) gibt es Einzeltöne anstelle der Akkorde. Hier musst du dann für einen Akkord alle erforderlichen Knöpfe (Töne) selbst drücken. Das bietet dir natürlich viel mehr Möglichkeiten und Abwechslung bei deinem Spielen, fordert ein bisschen anderes Üben. Außerdem kannst du jede Menge Übertragungen spielen. Zum Beispiel steht dir fast die ganze Welt der Klavierliteratur offen. Und dann gibt es natürlich auch viel Zeitgenössische Literatur. Wenn klassische Komponisten heute für Akkordeon schreiben, dann meist für Melodiebass.

Knopfakkordeon mit Standardbass oder Melodiebass

Links kann das Knopfakkordeon einen Standardbass oder Melodiebass haben (siehe oben). Rechts auf der Diskantseite hat es jedoch ebenfalls Knöpfe. Wenn es ein Instrument im C-Griff ist, hat es rechts die gleiche Knopf-Anordnung wie ein Melodiebass in C-Griff auf seiner linken Seite.

Steirische Harmonika und viele andere

Die Steirische Harmonika ist eine der vielen und in dem Fall auch populären „Schwestern“ des Akkordeons. Es gibt in aller Herren Länder Harmonikainstrumente, viele davon diatonisch oder auch wechseltönig genannt. In seiner ganz frühen Entwicklungsphase wurden das Akkordeon bzw. seine Vorläufer und Geschwister durch die ganze Welt getragen. Dadurch ist dieses Instrument in fast alle Erdteile gekommen und hat sich überall ein bisschen anders weiterentwickelt.

Der Unterschied zwischen einem gleichtönigen und einem wechseltönigen Akkordeon

Das ist ganz einfach erklärt.

Drücke einen Knopf, z.B. ein C: Balg auf, Balg zu = gleicher Ton = es ist ein gleichtöniges Akkordeon.
Drücke einen Knopf: Balg auf, Balg zu = unterschiedlicher Ton = es ist ein wechseltöniges oder diatonisches Akkordeon.

Das wechseltönige Prinzip kennt man auch von der Mundharmonika. Die Mundharmonika benutzt übrigens das gleiche Prinzip der Tonerzeugung wie das Akkordeon, aber darum soll es hier nicht gehen.

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Akkordeon Technik – ein kleiner Einblick in die Akkordeonkunde

Balg oder auch Faltenbalg

Der Balg, liebevoll wegen seiner Optik auch faltbarer Heizkörper genannt, ist für die Luftzufuhr zu den Stimmzungen verantwortlich. Er pumpt durch unsere Bewegung Luft durch die Stimmzungen, die daraufhin Töne erzeugen.

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Der Balg eines Akkordeons

Der Bassteil für die linke Hand

Der Bassteil liegt in unserer linken Hand wenn wir spielen. Dieser enthält mehrere Reihen an Knöpfen (insgesamt Manual genannt). Durch die Knöpfe öffnen und schließen wir im Inneren des Akkordeons Klappen zu den jeweiligen Stimmzungen, welche geöffnet Luft aus dem Balg erhalten und Töne so erzeugen.

Der Diskantteil für die rechte Hand

Der Diskant wird von der rechten Hand gespielt. Er kann sowohl aus einer Pianotastatur als auch aus einer Knopftastatur bestehen. Ähnlich wie beim Bassteil werden durch die Tasten/Knöpfe Klappen geöffnet und geschlossen. Auch hier strömt Luft durch die geöffneten Klappen an die Stimmzungen und lassen diese Schwingen und damit Töne erzeugen.

Die Register machen den Ton

Register hat fast jedes Akkordeon, der Unterschied liegt in der Anzahl. Die Register steuern die einzelnen Stimmstöcke an, je nach Register also ein anderer Stimmstock. Die Stimmstöcke klingen unterschiedlich, wodurch das Akkordeon mehrere Klangfarben und -mischungen bekommt.

Das Manual oder auch die Tastatur und die Knöpfe

Der Bereich, in dem die Pianotastatur oder die Knöpfe angebracht sind, heißt Manual.

Die Stimmzungen auf den Stimmstöcken im Inneren des Akkordeons

Im Inneren des Akkordeons geht es zu wie in einer Sardinenbüchse. Zahlreiche Stimmstöcke müssen hier dicht gedrängt Platz finden. Die Stimmstöcke sind aus Holz gefertigt und fest jeweils im Inneren des Bass- bzw. Diskantteils befestigt.

Stimmstöcke im Akkordeon

Stimmstöcke im Akkordeon

Auf den Stimmstöcken sind insgesamt mehrere Hundert Stimmzungen mittels Bienenwachs aufgeklebt. Die Verbindung zwischen Stimmplatte und Stimmstock muss dabei absolut luftdicht hergestellt sein. Die Stimmzungen bestehen aus drei unterschiedlichen Metalllegierungen, die Trägerplatte ist aus Aluminium.

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Stimmzungen im Akkordeon

Die Klappen im Akkordeon

Durch die Stimmzunge muss Luft, damit sie zum klingen kommen. Genau dafür sind die Klappen zuständig, welche direkt durch die Knöpfe bzw. die Tastatur geöffnet und geschlossen werden. D.h. es gibt also für jede Stimmzunge auch ihre zugehörige Klappe. Die Klappen sind mechanisch durch Metallstäbe an die Knöpfe angebunden und bestehen selbst im wesentlichen aus Filz und einer Lederschicht zur Abdichtung.

Akkordeon Klappen

Die Klappen im Akkordeon

Das Akkordeon ist ein wahres Wunderwerk der Instrumentenbaukunst. Erfahre mehr dazu von einem Akkordeonbaumeister selbst.

Aus welchen Teilen besteht ein Akkordeon – Michael Hellmer, Akkordeonbaumeister

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Groß oder klein – die richtige Größe für dein Akkordeon

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, für den Anfang tut es auch ein kleines Akkordeon. Das hat schon wegen der Größe weniger Tasten und reicht daher völlig. An diesem Gerücht ist leider nichts Wahres dran, denn die kleinen Akkordeons sind für Kinder gebaut.

Es kommt beim Akkordeon auf deinen Oberkörper an. Wenn du aufrecht sitzt, die Beine im rechten Winkel angewinkelt sind und das Akkordeon auf deinem linken Bein sitzt, sollte dir das Instrument ungefähr bis zu den Schultern reichen. Ein zu kleines Instrument verursacht oft Rückenschmerzen, da man gebeugt sitzt bzw. das Instrument an den Schultern hängt.

Wie groß muss ein Akkordeon sein – Janina Rüger, Akkordeonistin

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Akkordeon Marken – ein kurzer Einblick

Noch mehr als Arten gibt es Marken und Hersteller des Akkordeons. Fast jeder kennt Hohner mit Sitz in Trossingen, vermutlich eine der populärsten Akkordeonschmieden überhaupt. Hier auch alle anderen zu nennen, sprengt aber den Rahmen. Darum wollen wir einen Blick an die Ostküste Italiens in die Provinz Ancona werfen. Wir besuchen das beschauliche Dorf und gleichzeitig die Wiege des Akkordeons – Castelfidardo. Dieser lauschige Ort lebt das Akkordeon förmlich aus jeder Pore. Im Jahr 1863 begann Paolo Soprani hier mit dem Bau seines ersten Akkordeons und gründetet anschließend ein Unternehmen, welchem in unserem kleinen Ort noch viele folgen sollten. Bis heute ist das Akkordeon aus dieser italienischen Kleinstadt nicht mehr wegzudenken.

Lese weiter… Castelfidardo – Wiege des Akkordeon

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Ein Akkordeon kaufen, gebraucht oder neu? Worauf kommt es an?

Die Frage stellt sich bei Instrumenten noch dringlicher als bei vielen anderen Dingen unseres Lebens. Bei einem gebrauchten Smartphone kann ich besser einschätzen, ob mir die kleine Gebrauchsspuren etwas ausmachen oder eben nicht. Die Technik im Inneren funktioniert, oder eben nicht. Bei einem Akkordeon ist das anders. Ein Akkordeon hat ein sehr komplexes Innenleben, in dem vieles auch kaputt gehen kann. Wachs kann schmelzen, Leder wird härter und Metallgelenke können verbiegen. Dennoch gibt es gut gepflegte, gebrauchte Instrumente, die ihr Geld absolut wert sind. Nur woran erkenne ich diese?

Der äußerer Zustand des Akkordeons

Die einfachste Frage ist die nach den Äußeren des Instruments, hat das Akkordeon äußere Macken oder Dellen, welche Beschädigungen kann ich erkennen? Wer schon mal eine Blick in die Mechanik eines Akkordeons geworfen hat, weiß, hier kann durch mechanischen Einfluss einiges kaputt gehen. Erkennbare Stürze können leicht der Mechanik geschadet haben.

Die Stimmung des Akkordeons

Ja, auch ein Akkordeon kann verstimmen. Auch wenn die Stimmzungen aus Metall sind, können sie verstimmen. Über die Zeit und die Schwingungen wird das Metall mit der Zeit weicher und der Ton dadurch tiefer. Darum ist es wichtig, die Stimmung eines gebrauchten Instruments zu überprüfen. Das kann ein Fachmann tun, oder man benutzt ein handelsübliche Stimmgeräte oder ein Klavier zum Vergleich.

Kann ein Akkkordeon verstimmen – Michael Hellmer, Akkordeonbaumeister

Frage nach der Temperatur und dem Klima

Wie wurde das Akkordeon behandelt, war es Temperaturschwankungen ausgesetzt oder wechselnder Feuchtigkeit? Denn die verwendeten Materialien im Inneren eines Akkordeons sind Holz, Metall, Filz, Leder und vor allem Wachs zum Kleben der Stimmstöcke. Große Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit schaden dem Akkordeon. Ist sich ein Halter eines Akkordeons dessen nicht bewusst, ist das ein Indiz für die Entscheidung.

Die sind ein paar Hinweise, die beim Kauf von gebrauchten Instrumenten hilfreich sein können.

Ist der Balg auch dicht?

Die Dichtigkeit des Balgs ist ein entscheidendes Kriterium bei der Beurteilung eines gebrauchten Akkordeons. Ist keine Taste oder Knopf gedruckt, auch der Luftknopf nicht, sollte der Balg nicht aufgehen, auch wenn man die Basseite etwas nach unten hängen lässt. Wenn dabei ein Luftstrom deutlich zu hören ist, so kann das ein Indiz für Undichtigkeiten sein. Ein undichter Balg erschwert das Spielen, erzeugt Nebengeräusche und ist kaum noch zu reparieren.

Wie ist ein Akkordeon aufgebaut – Michael Hellmer, Akkordeonbaumeister

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Akkordeon lernen mit 50 Plus – geht das noch?

In unserer Kindheit spielen wir ein Instrument mit Leidenschaft und Begeisterung. Und dann kommt das Leben und nicht wenige verlieren ihr geliebtes Instrument wieder aus den Augen. Später dann kommt die Lust am Musizieren und vielleicht auch etwas Zeit zurück. Aber ist es jetzt zu spät zum Akkordeon lernen?
Die gute Nachricht. NUR für die Karriere als Meister-Akkordeonist! Und wenn das nicht deine Ambition ist, spiele, wie es dir Freude macht. Ob wir nochmal die großen Bühnen bespielen oder während eines Lockdowns vom Balkon die Herzen der Nachbarschaft berühren, spielt für die Freude am Instrument überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, du spielst, bitte…

Astrid lernt Akkordeon

„…Schöne finde ich auch, dass ich schon jetzt verschiedene Stilrichtungen kennenlernen konnte…“

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Das Akkordeon macht Musik – in welchen Stilrichtungen findest Du das Akkordeon

Volksmusik mit Akkordeon ist bekannt und beliebt, aber ist das alles? Nein, ganz bestimmt nicht. Vieles kennen wir vermutlich, ist uns aber bisher nicht aufgefallen. Im Argentinischen Tango ist das Akkordeon ein tragendes Instrument, Astor Piazzolla ist hier ein bekannter Vertreter. Der Cirque de Soleil wird in weiten Teilen seines Musikprogramms vom Akkordeon getragen. In der Pop und Rockmusik ist das Akkordeon ebenfalls immer wieder zu finden.

Das Klassische Akkordeon ist indes eine ganz eigene Welt: Von Renaissance über Barock bis Klassik – Übertragungen sind aus fast allen Epochen problemlos möglich. Es gab immer auch Instrumente, die eine ähnliche Tonerzeugung hatten, wie das Akkordeon heute. So ist vieles sogar sehr authentisch auf unserem Akkordeon umsetzbar. Das ist einfach ein riesiger Schatz. Denn für Akkordeon, besonders mit Melodiebass, suchst Du Deine Noten eben nicht nur im Akkordeonregal der Musikbibliothek sondern Du wirst auch in den meisten anderen Regalen fündig.

Darüber hinaus haben Zeitgenössische Komponisten die schier unglaubliche Vielfalt und Wandlungsfähigkeit des Akkordeons für sich entdeckt. Und so entstehen jedes Jahr unzählige neue Werke in nahezu jedem Genre. Mitunter muss man ein bisschen suchen, aber es gibt SocialMedia-Gruppen, die sich mit den neuen Werken beschäftigen. Oft liefern Verlage Zusatzmaterial oder sogar YouTube-Videos zu neuen Stücken. Wenn du ein bisschen suchst, steht Dir die ganze Welt den freischwingenden Stimmzunge offen.

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Vor dem ersten Ton – erste Schritte am Akkordeon lernen

Der richtige Sitz – die Basis zum Akkordeon lernen

Es ist super wichtig, dass Dein Akkordeon richtig sitzt, sonst gibt’s Kreuzweh. Außerdem wird dein Spielen erschwert, wenn das Gewicht falsch verteilt ist.

Mythos 1, das Akkordeon sitzt auf beiden Beinen auf. Das ist falsch. Es sitzt NUR auf dem linken Bein auf, den rechten Oberschenkel sollte es maximal berühren, sodass er frei beweglich ist.

Mythos 2, das Akkordeon hängt an den Schultergurten. Auch das ist falsch, jedenfalls beim Spielen im Sitzen. Ähnlich wie bei einem guten Wanderrucksack dienen die Schultergurte nur zur Stabilisierung. Beim Spielen (im Sitzen) bekommen die Schultern kein Gewicht ab. Die Riemen sorgen nur dafür, dass es nicht runterkippt. Dafür ist dann der rechte Riemen etwas länger.

Schau mal bei berühmten Akkordeonisten genau hin, wie das Instrument sitzt. Einer, den ich sehr bewundere ist Stefan Hussong. Der spielt einfach großartig und man kann das mit dem richtigen Sitz in seinen YouTube-Videos gut sehen.

Stabilität beim Spielen – die richtige Haltung am Akkordeon

Stell dir vor, du sitzt auf so einem Hüpfball. Dann hast du die Beine im rechten Winkel am Boden, damit er nicht unter dir wegrollt, und Dein Gewicht ist gut ausbalanciert. Ich finde, so hat man eine super Stabilität zum Akkordeon spielen (ich sitze dann trotzdem auf nem richtigen Stuhl ;-)). Weil man mit dieser Grundhaltung im Oberkörper nicht fest ist. Die Grundhaltung ist ein gerader Rücken, aber ich kann mich mit der Musik bewegen.
Wichtig ist auch, dass der Stuhl die richtige Höhe hat, so dass die Oberschenkel waagerecht sind bei einem rechten Winkel im Knie.

Balg auf, Balg zu – nur so kommt ein Ton aus dem Akkordeon

Der Balg ist so etwas wie die Lunge des Akkordeons. Er steuert den Luftstrom, mit dem wir Musik machen. Ich finde es faszinierend, wie ähnlich er funktioniert. Bekommt er viel Druck, schreit der Ton richtiggehend heraus. Mit der richtigen Dosierung kann ich einen einzelnen langen Ton gestalten. Das kann übrigens nicht jedes Instrument. Also ich meine, den Ton nochmal verändern, wenn er schon angefangen hat. Beim Klavier kannst du nur noch entscheiden, wie lange du die Taste und/oder das Pedal gedrückt lässt, aber lauter werden is nich. WICHTIG: Bewege niemals den Balg, ohne dass ein Ton oder der Luftknopf gedrückt ist.

Der Luftknopf zum Schließen des Balgs

Der Luftknopf ist dazu da, den offenen Balg leer zu bekommen. Damit kannst du die Luft rauslassen, wenn du das Akkordeon einpacken willst, aber noch Luft im Balg ist. Wenn man das mit anderen Tasten macht, macht das Krach und nervt. Drückt man gar nichts, sucht sich die Luft ihren Weg und Du machst Dir den Balg kaputt.
Und ein undichter Balg ist aus verschiedenen Gründen ärgerlich. Das Spielen wird schwerer, weil du viel mehr arbeiten musst. Schöner wird`s auch nicht, weil das Instrument nicht mehr so fein reagiert und du Luftgeräusche hörst. Und ein Balg ist kaum zu reparieren.

Und was machen die Hände

Funfact: Beim Akkordeonspielen benutzen wir nur neun Finger. (Der zehnte bedient nur den Luftknopf. )
Aber im Ernst: In der rechten Hand ist es gut, wenn die Finger „rund“ sind, also als Grundhaltung. Wenn man die Taste mit der Fingerkuppe drückt. Das ist ein bisschen wie beim Klavier. Dort hat mein Lehrer immer gesagt, ich soll mir vorstellen, dass ich einen Ball im Handteller liegen habe. Dann haben die Finger die richtige Haltung.
In der linken Hand ergibt sich das fast zwangsläufig, weil die Finger da „um die Ecke“ müssen. Und tatsächlich, der Daumen der Linken Hand spielt nicht mit.

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Die ersten Töne auf dem Akkordeon – es kann losgehen

Zum Ausprobieren fand ich eine Übung super toll: Spiele in der rechten Hand einfach alle schwarzen Tasten wild durcheinander. Langsam, schnell, abwechselnd, mehrere gleichzeitig. Später habe ich erfahren, dass die schwarzen Tasten pentatonisch aufgebaut sind und deshalb irgendwie alle zueinander passen. Klingt ein bisschen orientalisch bis asiatisch. Aber es macht Riesenspass.

Ein Beitrag von Felix Aamot, Leiter IT und Prozessmanagement, Geschäftsführer, Schlagzeuger von Herzen

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