Der Ultimative Gitarrensound

on Sonntag, 04 Januar 2015. Posted in E-Gitarre

Die Wichtigkeit der korrekten Verkabelung.

Lukas Truninger ist der Gründer der Firma Prostage, die Midi Foot Controller, Looper | Switcher und das Remote WahWah entwickelt und produziert.Jeder Gitarrist hat eine eigene Vorstellung von seinem ganz persönlichen Gitarrensound. Doch etwas haben alle Gitarristen gemeinsam: Auf der Suche nach dem ultimativen Gitarrensound werden Effektgeräte auf dem Pedalboard fast wöchentlich ausgetauscht. Der Hammer-Amp, die beste Gitarre, die geilsten Effekte können ihr Potenzial aber nicht ausschöpfen, wenn bei der Verkabelung des Gitarren Rigs die wichtigsten Grundlagen nicht berücksichtigt werden. Lästiges Brummen, Rauchen oder Klang- und Dynamikverluste sind die Folge. Daher möchte ich Dir hier aufzeigen, was Du alles beachten musst:

Vermeidung von Brumm-Problemen

Die meisten Brumm-Probleme entstehen durch Ground-Loops; das bedeutet, dass zwei Masse-Verbindungen parallel verlaufen. Das Gitarren-Signal geht durch zwei unterschiedliche, parallele Wege. Ein typisches Beispiel ist das Aufsplitten des Gitarrenkabels auf zwei verschiedene Verstärker. Um dieses Problem zu umgehen, muss ein Trenn-Trafo eingesetzt werden, z.B. der Lehle P-Splitt.
Brumm-Schleifen können z.B. aber auch entstehen, wenn mehrere Bodentreter mit dem gleichen Netzteil betrieben werden. Bei so einem Multi-Powersupply musst Du unbedingt darauf achten, dass die Ausgänge galvanisch getrennt sind. Das bedeutet, dass die Ausgänge elektrisch nicht zusammen hängen und somit über das Netzteil keine Ground-Loops entstehen können.
Sehr oft sind auch Einstreuungen für den Brumm verantwortlich. Zum Beispiel kann der Netztransformator vom Gitarrenverstärker in nahe gelegene Effektgeräte oder Kabel einstreuen. Dieses Problem ist Dir bestimmt schon begegnet, wenn Du mit den Pickups von der Gitarre zu nahe an den Verstärker ran kommst. Auch solltest Du vermieden, dass Netzkabel und Gitarrenkabel parallel verlegt werden. In einem sauber aufgebauten Gitarrenrack befinden sich alle Netzkabel auf einer Seite, und alle Gitarren-Kabel auf der anderen Seite. Da wo sich Netz- und Gitarrenkabel kreuzen, sollte dies im 90° Winkel geschehen.
Auch billige oder defekte Netzgeräte (Wand-Warzen) können die Ursache für Brummen sein. Wenn die Spannung in einem DC (Gleichstrom) Netzteil nicht sauber gefiltert wird, gelangt die Netzfrequenz (50Hz in Europa) über das Effektgerät in das Gitarrensignal. Moderne Schalt-Netzteile (Switch Mode PSU) können zudem hochfrequentes Pfeiffen verursachen. Auch hier gilt: unbedingt hochwertige Netzteile verwenden. Schalt-Netzteile erkennt man übrigens am geringen Gewicht (Bsp: Handy Ladegeräte).

Sound- und Dynamikverluste

Jedes Gitarrenkabel hat physikalisch bedingt Verluste. Wie stark diese Verluste sind, hängt von der Qualität und insbesondere von der Länge der Kabel ab. Für den ultimativen Gitarren-Sound müssen die Kabelwege also möglichst kurz sein. Effekte im Send/Return des Verstärkers sollten sich in einem Rack befinden, und nicht auf dem Pedalboard. Andernfalls sind die Kabelwege einfach viel zu lang.
Um Sound- und Dynamikverlusten vorzubeugen, muss auch die Impedanz berücksichtigt werden. Impedanz ist, einfach ausgedrückt, der Widerstand eines Audio Ein- beziehungsweise Ausganges. Wenn die Ausgangsimpedanz von einem Bodeneffekt und die Eingangsimpedanz vom nächsten Bodeneffekt sich "nicht vertragen", wird das Gitarrensignal gebremst und es entstehen Verluste. Bei Gitarreneffekten gibt es leider keine verbindliche Norm, und jeder Hersteller macht so sein eigenes Ding. Da musst Du einfach ausprobieren, welche Geräte sich gegenseitig wie beeinflussen. Wenn Du vor dem Verstärker mehrere Effekte einsetzt ist es auf jeden Fall ratsam, ein Buffer / Booster / Line Driver als erstes Gerät in der Signalkette zu haben. Dieser Buffer passt die relativ hohe Impedanz des Pickups and die relativ niedrige Impedanz der folgenden Effekte an.

Rauschen

Rauschen entsteht dadurch, dass in jedem elektronischen Bauteil irgendwelche Elektronen unkontrolliert herumschwirren. Wie stark ein Gerät rauscht, hängt von zwei Faktoren ab: Die Qualität der verwendeten Bauteile und das elektrische Design des Gerätes - also wie sich die Bauteile gegenseitig beeinflussen.
Wenn wir in unserer Signal-Kette zwei Geräte miteinander verbinden, beeinflussen sich auch die Bauteile der beiden Geräten gegenseitig. Folglich hat das Zusammenspiel von mehreren Geräten einen Einfluss auf das Rauschen. Hier kommt zudem die Impedanz ins Spiel (siehe oben). Wenn Geräte mit ungeeigneter Impedanz zusammengeschlossen werden, fördert dies das Rauschen.
Das Rauschen kannst Du minimieren, indem Du möglichst hochwertige Geräte einsetzt. Am besten verzichtest Du auf Geräte, die inakzeptabel stark rauschen. Achte darauf insbesondere bei den Geräten, die in der Signalkette vor den Verzerrern sind, denn der Verzerrer kann das Gitarren-Signal und somit auch das Rauschen extrem stark verstärken. Die Änderung der Effekt-Reihenfolge kann das Rauschen unter Umständen massiv reduzieren. Setze stark rauschende Geräte auf jeden Fall hinten in der Signal-Kette ein, nach allen High-Gain-Geräten (Verzerrern).

Die korrekte Effektreihenfolge

In den beiden vorherigen Abschnitten hast Du gelernt, dass die Effektreihenfolge einen grossen Einfluss auf die Soundqualität und die Nebengeräusche hat. Die korrekte Reihenfolge hat zum einen also mit technischen Begebenheiten zu tun, vieles ist aber auch Geschmacksache.
In der Regel werden Effekte aber in dieser Reihenfolge eingesetzt:
Gitarre - Fuzz - Buffer/LineDriver - WahWah - Compressor - Distortion/Overdrive - Amp
Im Effektweg (Send/Return):
Pitch Shift - Modulation - Delay - Reverb

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Über den Autor

Lukas Truninger ist ein Backliner und Tontechniker aus der Schweiz, wohnt und arbeitet inzwischen aber in Spanien. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung und tourte mit Bands wie Krokus oder Pepe Lienhard Orchester (Udo Jürgens) quer durch Europa.
Lukas ist der Gründer der Firma Prostage, die Midi Foot Controller, Looper | Switcher und das Remote WahWah entwickelt und produziert. Ein Prostage System ermöglicht es, die komplette Gitarren-Anlage per Midi „fernzusteuern“. Wolf Hoffmann von "Accept" und "Flyleaf's“ Jared Hardmann sind nur zwei von vielen Gitarristen, die heute erfolgreich mit Prostage Produkte weltweit touren.

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